
Im Kunst-Œuvre von Trix und Robert Haussmann verbinden sich ihre jahrzehntelange Auseinandersetzung mit der Kunstwelt sowie ihre Expertise in Design, Innenarchitektur und Architektur zu einer eigenständigen formalen Kunstsprache. In dieser stehen Sachlichkeit und Verspieltheit in spannungsvoller Balance. Ihr Kunstwerk steht einerseits im Geist der «Schweizer Konkreten» um Max Bill und Richard Paul Lohse, deren Formensprache auf geometrischen Grundformen, Harmonie, Proportion und Reduktion basiert. Während die Konkreten der formalen Reinheit verpflichtet waren, erweitern die Haussmanns diese Ansätze augenzwinkernd um spielerische und kreative Dimensionen. Andererseits beziehen sie sich auf ihre Lehrmeister aus Dadaismus und Surrealismus, deren assoziative Bildwelten sie mit Humor und Ironie weiterentwickelten. Durch subtile Verschiebungen, ungewöhnliche Perspektiven und Trompe-l’œil-Optiken entstehen rätselhafte, oft dadaistisch anmutende Bilder und Raumskulpturen. Diese lassen räumliche Elemente mit ihrer Umgebung verschmelzen. So verbinden Trix und Robert Haussmann experimentierfreudig die Welten der Konkreten, der Surrealisten und der Dadaisten — ganz im Sinne ihres «Manierismo Critico».





KUNST-ŒUVRE




Trix und Robert Haussmann arbeiteten konsequent an der Auflösung der Grenzen zwischen Kunst, Design und Architektur. Ihr Werk verbindet funktionale Gestaltung mit ironischer Irritation, surrealer Bildsprache und konzeptueller Freiheit. Daraus entwickelt sich eine eigenständige, interdisziplinäre Haltung, die sich bewusst im Spannungsfeld der Disziplinen bewegt und diese zugleich unterläuft.
Bereits 1967 machten sie im Rahmen der Werkbund-Aktion «Chair Fun» mit ihren eingereichten Objekten ihre künstlerische Position sichtbar. Bei der anschliessenden Auktion des Galeristen Max G. Bollag in der Scheune in Bern wurde die Präsentation zu einer performativen Kunstaktion in rauschhafter Atmosphäre. Diese erinnerte an die Pariser Avantgarde der 1920er-Jahre und ging in die Schweizer Design- und Kunstgeschichte ein. Die Haussmanns präsentierten hier vier Stühle nicht als Möbel, sondern als experimentelle Kunstobjekte im Sinne von Dadaismus und Surrealismus. Ihr «Maso Chair» steht dabei exemplarisch für diese Haltung: ein bewusst dysfunktionales Objekt in der Tradition von Man Rays Readymade «Cadeau» (1921) oder Meret Oppenheims «Frühstück im Pelz» (1936). Alltagsobjekte werden verfremdet, destabilisiert und in neue Bedeutungsräume überführt, wodurch gewohnte Funktionalität ausser Kraft gesetzt wird. Mit dem «Neon Chair» erweitern sie diese Strategie um Einflüsse der Pop-Art, indem Neonröhren und Kunstfell zu einem irritierenden Objekt zwischen Gefahr, Spiel und Ikone werden. Damit markieren sie in der Schweiz den Übergang vom Funktionalismus zur Postmoderne.
Parallel dazu erweitern die Haussmanns ihre Gestaltungsprinzipien auf den Raum und entwickeln eine Innenarchitektur, die nicht mehr zwischen Gestaltung und Kunst trennt. Dadurch verwischen sie die Grenze zwischen den Disziplinen weiter. Ihre Innenräume könnten dadurch auch als Kunstwerke oder begehbare Kunstskulpturen gelesen werden. Sie schaffen surrealistisch und metaphysisch geprägte Räume, die unter anderem in der Tradition von Giorgio de Chirico, Salvador Dalí, René Magritte und Marcel Duchamp sowie der Renaissance-Meister stehen. Diese neuen Räume entstehen durch gezielte Verschiebungen von Perspektive, Massstab und Bedeutung. Architektonische Elemente wie Bögen, Säulen, Ornamentfragmente und sowie historische Zitate werden aus ihrem Kontext gelöst, neu kombiniert und in irritierende räumliche Kompositionen überführt. Durch verschiedene gezielt eingesetzte Trompe-l’Œil-Techniken, Spiegelungen und Materialverfremdungen verschränken sich Realität und Konstruktion, wobei der Raum selbst zum Medium der Wahrnehmung wird. Bereits in den 1970er-Jahren wird ihre Innenarchitektur so zu einer räumlich erlebbaren Kunst jenseits von Museen und Galerien.
In den zahlreich nun anschliessenden Arbeiten wie den Bildern «Durchdringung» (2013), «Square Divided» (2022) und «Hard Hat» (2013) verdichten sich zentrale Prinzipien ihres Schaffens: insbesondere Irritation, Perspektivverschiebung und die Destabilisierung klarer Wahrnehmung. Ausgehend von den Schweizer Konkreten – Max Bill, Richard Paul Lohse – erweitern die Haussmanns die geometrische Strenge durch Spiegelungen, Fragmentierungen und Trompe-l’Œil-Effekte mit Bezügen zu Renaissance, Surrealismus und Op-Art. Raum, Licht und Betrachter treten in einen dynamischen Dialog, in dem sich Realität und Illusion durchdringen. Sie hinterfragen konsequent die Grenzen zwischen Kunstrichtungen, deren Techniken sowie kulturell und ästhetisch verankerten Konventionen.
Die Skulptur «Equilibrium» (2024) steht im Geist der Schweizer Konkreten und erweitert deren Reduktion auf Grundformen wie Quadrat, Kreis und Dreieck um eine poetische Dimension. Je nach Standort lässt sie sich den Konkreten oder den Surrealisten zuordnen. Die spiegelnden Oberflächen fangen Himmel, Wolken oder die museale Umgebung ein und erzeugen ein wechselndes Spiel von Skulptur und Raum. Sie verbindet konstruktive Klarheit mit surrealer Irritation à la René Magritte. Die gestapelten Aluminium- und Stahlkörper wirken zugleich monumental und fragil. Ihre reflektierenden Oberflächen reagieren auf die Umgebung und verändern fortlaufend ihr Erscheinungsbild. So entstehen Situationen zwischen Ordnung und Irritation sowie Statik und Fluidität. «Equilibrium» verbindet Architektur, Kunst und Raum, überführt die Prinzipien der Konkreten in einen zeitgenössischen Kontext und macht zugleich die poetisch-irreale Dimension des Surrealismus erfahrbar. Es besitzt eine hypnotische Präsenz und ist vergleichbar mit der Spiegelskulptur «Enigma» (2020), die sich wie eine Tarnskulptur im Park einfügt.
Trix und Robert Haussmann etablieren damit eine eigenständige Position im interdisziplinären Feld, die Wahrnehmung systematisch hinterfragt und Kunst als räumlich erfahrbare Idee versteht.
KONTAKT
Trix und Robert Haussmann
ARCHITEKTUR - DESIGN - KUNST
Mittelstrasse 47
8008 ZÜRICH
