
Tief verankert in der Tradition der Moderne schlagen Trix und Robert Haussmann in ihrem Œuvre einen spielerisch leichten Bogen zu Kunstströmungen wie Dadaismus und Surrealismus. Daraus entwickeln sie eine eigenständige Designsprache sowie eine meisterhafte Trompe-l’œil-Ästhetik. Bereits in den 1960er-Jahren prägen Streifen als gestalterisches Mittel ihre Räume: Sie rhythmisieren Oberflächen, verändern Proportionen, brechen Perspektiven und beeinflussen damit gezielt die Wahrnehmung der Betrachtenden. So entstehen neuartige, überraschende und beeindruckende Raumerlebnisse. Mit Präzision und Feingefühl erweitern die Haussmanns das Spiel zwischen Oberfläche und Raum und lösen dabei die Grenzen zwischen der Architektur, Innenarchitektur, Design und Ornament auf. Dabei ist ihre Trompe-l’Œl-Ästhetik tief in der Renaissance, im Dadaismus, im Surrealismus und in der Op-Art verwurzelt und bei Lehrmeistern wie Andrea Mantegna, René Magritte, Marcel Duchamp und Giorgio de Chirico verankert. Dabei ist das Motiv der Streifen ein Schlüssel- und zentrales Designelement ihres Schaffens. Es zieht sich dabei kontinuierlich durch ihr gesamtes Oeuvre und wird ab den frühen 1980er-Jahren zu einem durchgängigen, sichtbaren gestalterischen Prinzip, das von verspiegelten Schrankoberflächen über Teppiche, Möbel, Böden, Fenster, Wände und Säulen bis hin zu Innenräumen und op-artähnlichen Porzellantellern von Langenthal zu finden ist.




TROMPE-L’ŒIL



Die unverwechselbare Trompe-l’Œil-Ästhetik von Trix und Robert Haussmann zeigt nicht nur, wie einzigartig ihr Oeuvre ist, sondern auch, mit wie viel Humor, spielerischer Freude und Geschick sie ihre Arbeit über mehrere Jahrzehnte weiterentwickelten. Dabei entstand ihre klare, unverkennbare Handschrift.
Bereits in den 1960er-Jahren beginnt ihr Spiel mit optischen Täuschungen. Streifen rhythmisieren Räume, verzerren Proportionen, brechen Perspektiven und irritieren die Wahrnehmung – etwa in der «Boutique Weinberg Damen» an der Zürcher Bahnhofstrasse, wo unter anderem bewusst quer gestreifte Teppiche eingesetzt wurden. Zusammen mit Spiegelsäulen und abgerundeten Ladenmöbeln entstanden futuristische, beinahe bühnenartige Raumerlebnisse. Mit Feingefühl und Akribie lösten die Haussmanns die Grenzen zwischen Innenarchitektur, Design und Ornament zunehmend auf. Räume wurden zu optischen Täuschungen und Flächen zu illusionistischen Bühnenbildern. Verwurzelt in der Moderne knüpfen sie im architektonischen Kontext an Kunstströmungen wie Dadaismus und Surrealismus an und entwickeln dabei eine eigenständige Trompe-l’œil-Ästhetik.
Auch das Sideboard «Strips» von 1988 für den Möbelhersteller Wogg, inspiriert von einem fallenden gestreiften Seidenfoulard, steht exemplarisch für die Trompe-l’Œil-Ästhetik. Streifen dienen nicht bloss als dekoratives Muster, sondern als konzeptuelles Mittel, um Proportionen zu dekonstruieren, Formen zu transformieren und die Grenzen zwischen Möbel und Raum aufzulösen. Mit seiner Op-Art-Dimension wurde «Strips» damit zu einem ikonischen und wegweisenden Schweizer Designklassiker der Postmoderne und fand Eingang in zahlreiche wichtige Museumssammlungen.
Das wiederkehrende Streifenmotiv zeigt sich auch in der «Galleria Passage» Hamburg (1983), einer Ikone postmoderner Innenarchitektur mit Bezügen zur italienischen Renaissance. Marmorsäulen in wechselnder Schwarz-Weiss-Streifenoptik und eine markant gestreifte Bleiverglasung, die an die gerafften Vorhänge auf dem Markusplatz in Venedig erinnert. Mit Bögen, Säulen und einer grosszügigen Glasüberdachung zitieren die Haussmanns hier historische Vorbilder wie die Galleria Vittorio Emanuele in Mailand. Gleichzeitig verbindet ihr Konzept mediterranen Charme mit der hanseatischer Klarheit und der Atmosphäre mittelalterlicher Markthallen. Seit 2018 steht die Passage unter Denkmalschutz.
Dieses Spiel mit Streifen, Perspektiven und optischen Irritationen setzt sich auch in der Möbelserie «Manhattan» von 1987 für Röthlisberger fort. Horizontale Streifen, schräge Flächen und urbane Formen verwandeln Möbel in ironische Architekturzitate – eine spielerische Umsetzung mit einem Augenzwinkern. Als Vorbilder dienten ihnen unter anderem die italienische Gotik-Baukunst, etwa der Dom von Orvieto und der Dom von Siena, bis hin zu Adolf Loos’ nie realisiertem Entwurf für Josephine Baker in Paris. Zusätzliche Anspielungen auf Holzintarsien der Renaissance und des Barocks erweitern die gestalterische Ebene.
So verdichten sich Streifen und Trompe-l’Œil in ihrem Werk zu einem durchgehenden Prinzip, das Architektur, Möbel, Design, Raumillusion und Wahrnehmung ineinander verschränkt.
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Trix und Robert Haussmann
ARCHITEKTUR - DESIGN - KUNST
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